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Das hat Google sich bestimmt einfacher vorgestellt, als man den Social-Netzworking-Dienst “Buzz” ins Leben gerufen hat: bereits dreimal seit Start der Anwendung musste diese umprogrammiert werden. Der Start ist also sehr chaotisch, was vor allem daran liegt, dass einige Datenschutz-Lücken offenbart und dem Nutzer Dinge aufzwungen wurden, ohne ihn zu fragen, ob er das überhaupt möchte.
So wurde Buzz z.B. automatisch in Googles E-Mail-Dienst mit aufgenommen, d.h. Nutzer des Freemail-Angebots durften sich erstmal nicht gegen Buzz entscheiden. Mittlerweile werden die User immerhin gefragt, ob sie Buzz nutzen wollen oder nicht.
Google entscheidet, wer dein Freund ist
Verständlicherweise ging vielen Nutzern auch gegen den Strich, dass Buzz selbst entschied, mit wem man befreundet sein möchte. Eine Freundesliste wurde also aus bisherigen Informationen zusammengestellt, so dass der ein oder andere überrascht gewesen sein wird, wer sich da so als neuer “Freund” entpuppte. Wenn man dann aufgrund einiger E-Mails plötzlich mit dem Chef oder Ex-Partner befreundet ist und dieser sämtliche Online-Aktivitäten einsehen kann, dürfte das für unangenehme Situationen sorgen.
Öffentliche Freundschaften
In den Anfangstagen öffentlich war zudem die Übersicht, welcher User mit wem befreundet ist. Auch hier gibt es genügend Szenarien, die man sich ausmalen kann, um diese Funktion nicht gut zu heißen. Sei es, wenn der Chef merkt, dass sein Angesteller mit dem Headhunter einer anderen Firma anbandelt oder wenn die Ehefrau sieht, mit welchen anderen Frauen ihr Mann Kontakt hat. Auch das wurde nun verändert, man kann hier jetzt regeln, was öffentlich gemacht wird und was nicht.
Fragwürdige mobile Nutzung
Wer per Mobiltelefon seine Nachrichten bei Buzz abliefert, der muss damit rechnen, dass automatisch sein Name und Standort veröffentlicht werden. Zwar trifft dies nicht viele Nutzer, aber bedenkenswert ist es trotzdem. Ebenso wie die allgemeine Bindung von E-Mail-Account an Social-Netzwork-Dienst. Denn per E-Mail werden oft vertrauliche Daten hin- und herversendet, wenn hier z.B. willkürlich E-Mail-Adressen durch Buzz öffentlich gemacht werden, ist das ein Skandal. Google hat diesen Fehler allerdings zügig behoben.
Auf der Suche nach Links im Internet kommt es auf Kreativität an. Leider ist die nur bei Wenigen vorhanden. Daher wird einfach einmal eine Standardmail geschrieben und gleich an unzählige Websiten-Betreiber verschickt. Ungünstig nur, wenn man wie in diesem Fall hier völlig am Thema vorbeiarbeitet. Dort wendet man sich an eine Seite mit eher traurigem Inhalt und hofft einen Link auf eine Unterhaltungs-Website zu bekommen. Das funktioniert natürlich nicht.
Die Frage ist nur: Wenn man diese Mails in der ausreichenden Masse verschickt, erhält dann vielleicht immer noch genug positive Antworten, als das es sich lohnen würde, für jeden einzelnen eine individuelle Mail zu erstellen? Denn der Aufwand wäre beträchtlich. Es scheint sich ja auch zu lohnen, massenhaft SPAM-Mails zu verschicken, denn sonst würde das wohl niemand mehr machen.
Eleganter ist es sicherlich, wirklich intensiv auf die Suche nach richtigen Linkpartnern zu gehen und wir möchten hier niemanden zum Versenden von Massen-E-Mails aufrufen, aber die Gründe dafür sind nachvollziehbar.
Wenn neue Angebote im Netz sich großer Beliebtheit erfreuen, zögert Google selten lange, um ein eigenes Produkt in der Nische anzubieten. So werden auch jetzt mit “Google Buzz” Twitter und Facebook angegriffen. Diese beiden Firmen stellen feste Größen in der sozialen Onlinekommunikation dar. Besonders 2009 sind beide Unternehmen nochmals deutlich gewachsen.
Doch schlichte Kopien bringen nur selten den gewünschten Erfolg, daher verspricht Google seinen neuen Nutzern mehr Komfort. Während man bei Twitter und Facebook für Bilder und Videos oft noch auf einen Link klicken muss, sollen diese bei Buzz direkt eingebunden werden. Zudem werden die Nachrichten danach geordnet, ob viele Nutzer dieser interessant fanden oder nicht. Unwichtige Nachrichten wandern damit nach hinten.
Außerdem will Buzz das Verhalten der Nutzer studieren und dieses bei der Wahl der Informationen berücksichtigen. Ein Punkt, der die Datenschützer auf den Plan ruft, ebenso wie das Versprechen Googles, die Daten der User mit Vorsicht zu behandeln.
Wer Buzz mobil nutzen will und dabei ein Gerät mit GPS-Ortung hat, kann seine Nachrichten automatisch mit dem aktuellen Standort speichern. Zudem soll eine Spracherkennung dafür sorgen, dass man die Nachrichten auch diktieren kann, was z.B. das Senden einer Nachricht während des Autofahrens möglich macht.
Man darf gespannt sein, ob Google einen großen Markt erreicht oder ob die Platzhirsche Ihr Revier erfolgreich verteidigen. Genug Raum für noch ein erfolgreiches Social Network ist wohl gegeben, da längst noch nicht alle Surfer in den bisherigen vertreten sind.